Hintergrundbild - Image du fond - Immagine di sfondo

Chiara Lubich 1920 - 2008

Die Gründerin der Fokolar-Bewegung, Chiara Lubich, wurde am 22.1.1920 in Trient (Norditalien) geboren. Ihr Vater, ein engagierten Sozialist mit grosser Sensibilität für soziale Gerechtigkeit, prägte von jung auf ihr gesellschaftliches Engagement, während sie von der Mutter die tief religiöse, christliche Grundhaltung übernahm.

Während des Zweiten Weltkrieges begann sie mit einigen jungen Frauen ihr Leben ganz nach dem Evangelium auszurichten. Zusammen mit einigen Gefährtinnen las sie während ihres Aufenthaltes im Luftschutzkeller die Heilige Schrift, und sie begannen, Tag für Tag, ein Wort aus dem Evangelium nicht nur zu lesen, sondern es zu leben. Das bewirkte, dass sie einen neuen Zugang zum christlichen Glauben und Leben, zu einer auf Gemeinschaft hin ausgerichteten Spiritualität fanden.

„Alle sollen eins sein, wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin“ Joh 17,21.

Dieses Evangeliumswort wurde zu ihrer geistlichen Basis und damit zur Quelle eines Lebensstils, der von der gegenseitigen Liebe und Geschwisterlichkeit geprägt ist.

Von Anfang an hat Chiara Lubich aber auch die soziale Sprengkraft des Evangeliums erkannt. Sie war sich bewusst, dass das gelebte Wort Gottes nicht nur zu einer geistlichen, sondern auch zu einer sozialen Veränderung in Kirche und Gesellschaft führen müsse. Das ermutigte sie und ihre Gefährtinnen, sich unermüdlich für die Not und Bedürfnisse ihrer Mitmenschen einzusetzen, wozu ihnen die damals herrschende Kriegssituation in ihrer Stadt Anlass genug bot.

Ganz ungeplant, dem Leben folgend, kam es zu Begegnungen und Kontakten auf verschiedenen Ebenen. Chiara Lubich folgte ihrer Intuition und ging entschlossen den Weg des Dialogs auf der Grundlage ihrer Beheimatung in Gott. Daraus entstanden vielfältige ökumenische Beziehungen und Initiativen.

Nachdem Chiara Lubich 1977 mit dem Templeton-Preis für den Fortschritt der Religionen ausgezeichnet wurde, vertieften sich die interreligiösen Kontakte weltweit mit Juden, Muslimen, Buddhisten, Hindus, Sikhs und Animisten.

Auch Menschen, die sich zu keiner religiösen Weltanschauung bekennen, fühlten sich von diesem neuen Lebensstil der Geschwisterlichkeit und Einheit angezogen. Chiara Lubich betonte bei einigen Begegnungen, wie wichtig und bereichernd der Kontakt mit ihnen für die Fokolar-Bewegung sei.

Auf einer Reise nach Brasilien im Jahr 1991 gab Chiara Lubich den Anstoß zum Projekt „Wirtschaft in Gemeinschaft“. Die neue Wirtschaftsphilosophie wird inzwischen von 700 Unternehmen weltweit praktiziert und hat zur Entstehung von drei Industriegebieten in der Umgebung von Siedlungen der Fokolar-Bewegung geführt: in San Paolo in Brasilien, in O’Higgins in Argentinien und in Loppiano in Italien.

1996 entsteht bei einer Begegnung von Chiara Lubich mit Politikerinnen und Politikern verschiedener Parteien das Forum Politik und Geschwisterlichkeit. Es ist inzwischen in vielen Ländern Europas und in anderen Kontinenten verbreitet. 

Am 14. März 2008 starb Chiara Lubich in Rocca di Papa. Unter der weltweiten Anteilnahme von Freunden der Fokolar-Bewegung, von Verwandten und Persönlichkeiten aus Kirche, Politik und Gesellschaft, sowie von zahlreichen Angehörigen verschiedener Rassen und Glaubensbekenntnissen, fand am 18. März 2008, in Rom, in San Paolo Fuori le Mure der feierliche Trauergottesdienst statt.

Chiara Lubich: Auszeichnungen und Preise

Für ihr Lebenswerk wurde Chiara Lubich von öffentlicher, kirchlicher und gesellschaftlicher Seite vielfach geehrt:

  • 1977 „Templeton-Preis für den Fortschritt der Religionen“
  • 1988 Preis zum Augsburger Friedensfest
  • 1994 wurde Chiara Lubich Ehrenpräsidentin der Weltkonferenz der Religionen für den Frieden (WCRP)
  • 1996 Unesco Preis für Friedenserziehung
  • 1998 Menschenrechtspreis des Europarates
  • 2000 Das grosse Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland
  • 2001 bekam sie in Indien von Schülern Mahatma Ghandis den Preis „Verteidigerin des Friedens“.

Sie bekam 16 Ehrendoktorate und wurde Ehrenbürgerin mehrerer Städte, darunter Rom, Florenz, Trient, Buenos Aires und – der Gemeinde Mollens im Schweizerischen Wallis, wo sie jeweils die Sommermonate verbrachte.

Chiara Lubich und die Schweiz

Während vieler Jahre weilte Chiara Lubich regelmässig in der Schweiz, die sie als ihre zweite Heimat bezeichnete. Sie trat an verschiedenen öffentlichen Anlässen auf:

  • Fokolar-Festival in Payerne (1982)
  • Eidgenössische Besinnung "Vision für die Schweiz" anlässlich des Jubiläums "150 Jahre Bundesstaat" in Bern (1998)
  • Familienkongress "Familie ist Zukunft" in Luzern (1999)
  • Ökumenische Feier im Grossmünster Zürich (2001)
  • Ökumenische Feier in St. Pierre Genf (2002)
  • Kongress für Politiker/innen in Martigny (2003)
  • "Initiativen der Veränderung" in Caux/VD (2003)
  • Politiker-Kongress in Bern 2004.

Seit 1974 verbrachte sie jährlich die Sommermonate in Mollens/VS, wo sie sich der Planung und Vorbereitung des Jahresprogramms der Fokolar-Bewegung widmete. Diese Verbundenheit mit der Schweiz wurde 2007 mit der Verleihung der Ehrenbürgerschaft durch die Burgergemeinde von Mollens an Chiara Lubich besiegelt.