Junge Menschen wollen 2027 das geschichtsträchtige Land Armenien gemeinsam mit einheimischen Jugendlichen entdecken. Laura Fürst und Emanuela Chiapparini haben vor Ort Kontakte geknüpft.
Bergwanderungen mit Jeeps, Reiten und Kartoffel braten am Feuer (typische armenische Tradition), aktive Teilnahme an öffentlichen armenischen Gesellschaftstänzen am Fusse des Treppenkomplexes «Cascade» oder die Besichtigung von einem römischen Tempel und einem Kloster der Armenisch Apostolischen Kirchen aus dem 12. Jahrhundert – das alles ist für die Begegnungsreise für junge Leute von 18-30 Jahren im Sommer 2027 geplant.
Aber es geht um weit mehr als touristische Erkundigungen. Die Gruppe wird paritätisch aus 20 Personen aus der Schweiz, Deutschland und Österreich und aus 20 Personen aus Armenien zusammengesetzt und gemeinsam in einem Lagerhaus wohnen und kochen. Nebst Sozialengagement, Besichtigungen bedeutender Orte und Austausch wollen sie folgende fünf Themen vertiefen: Krieg/Frieden, Inklusion, Kulturen/Religionen und Politik/Nachhaltigkeit. Die ganze Reise wird mit einem öffentlichen Jugendforum abgeschlossen.
Hinter diesen Themen stehen Erfahrungen und Fragen von jungen Menschen, die Laura und Emanuela auf ihrer Erkundungsreise vom 18.-28. Juli in der Armenischen Hauptstadt Jerewan getroffen haben. Die drei folgenden Statements drücken besonders klar aus, was Jungen in Armenien auf dem Herzen liegt: «Ich weiss, was es heisst im Krieg zu leben und bedroht von einem zukünftigen Krieg zu sein. Wie ist das für Jugendliche, die das nicht kennen?» - «Ich kann mir nicht vorstellen, wie Leben ohne Glauben an Gott geht. Letztlich kann nur er mir Zuversicht und Kraft geben, Schwierigkeiten zu überwinden. Wie machen dies Menschen, die nicht an Gott glauben?»- «Wie können Politiker:innen ernst genommen werden? Ich nehme nur wahr, dass sie viel versprechen und kaum etwas Konkretes tun.»
Armenien ist ein teilweise vergessenes Land, das von der rund 70jährigen sowjetstaatlichen Fremdregierung kulturell, wirtschaftlich und politisch nach wie vor geprägt ist. Erst seit 2018 sind demokratische Entwicklungen zu beobachten. Wirtschaftliche und politische Krisen werfen die zarten Aufbrüche immer wieder zurück: seit 1992 haben Aserbaidschan und die Türkei ihre Grenze zu Armenien geschlossen, was den Handel beinahe zum Erliegen gebracht hat. Die zwei Angriffskriegen des Nachbarland Aserbaidschan (2020, 2022), dann die Corona-Krise und nun der laufende Krieg im Nachbarland Iran.
«Es war eindrücklich, zu erfahren, wie klein Armenien im geographischen Vergleich zu den grossen Nachbarländern ist. Und wie es, anders als die Nachbarländer, Religionsfreiheit ermöglicht und auch Minderheiten wie Jesiden oder Assyrern Raum gibt, ihre Religion auszuüben», sagt Emanuela. «Wir haben einen blinden Jugendlichen, der Jazz-Student ist, angetroffen», erzählt Laura. «Er wird als betroffene Person das Thema Inklusion vorbereiten.» Nebst jungen Leuten haben die beiden Frauen auf ihrer Erkundungsreise auch Fachpersonen von sozialen Organisationen getroffen und mit ihnen Ziele, Methoden, Programmpunkte und logistische Abklärungen für die Reise vor Ort besprochen.
Auch mit der stellvertretenden Schweizer Botschafterin in Jerewan, Ursula Läubli, hatten die beiden Kontakt. Im Austausch mit ihr zeichneten sich Anschlussmöglichkeiten an neue Projekte des eidgenössischen Departements für Entwicklung und Zusammenarbeit in Armenien ab, welche die politischen und partizipativen Kompetenzen von Jugendlichen fördern.
«Celebrate diversity among war and peace in Armenia»: So lautet das Motto der Begegnungsreise 2027. «Und natürlich wird genügend Zeit zur Verfügung stehen, um die alltägliche und unschlagbare Gastfreundschaft und Grosszügikeit der Armenier:innen zu erleben», betont Laura.
Die Begegnungsreise wird vom 23. Juli-1. August 2027 stattfinden. Die Erkundungsreise vom Sommer 2026 wurde von der nationalen Agentur Movetia finanziell unterstützt. Movetia ist das Schweizer Programm zu Erasmus+. Damit können Schweizer Institutionen ähnliche Aktivitäten durchführen wie mit dem Europäischen Bildungsprogramm Erasmus+. Für die Jugendreise wird ein Folgeantrag gestellt.