"Wer, wenn nicht wir? - Frieden: vom Zuschauen zum Handeln": Einen anspruchsvollen Titel hatten sich die rund 50 jungen Erwachsenen aus der muslimischen Hizmet-Gemeinschaft und der Fokolar-Bewegung für ihr Seminarwochenende der Dialogplattform DIALOP in Innsbruck gewählt. Das dritte Jahr in Folge kamen sie im April 2026 zusammen, erlebten soziale, kulturelle und religiöse Vielfalt, einen offenen Austausch und eine besondere Atmosphäre.
Zum Auftakt berichtete Daniel Kompatscher über den Kongress „One World – One Humanity“, der die Bedeutung von globaler Zusammenarbeit und gegenseitigem Verständnis für eine friedliche Zukunft hervorhob und die Teilnehmenden dazu anregte, über ihre eigene Verantwortung in einer vernetzten Welt nachzudenken.
Im weiteren Verlauf standen mehrere Vorträge mit anschließenden Workshops im Mittelpunkt: Lucia Hämmerle vom Internationalen Versöhnungsbund aus Wien sprach über „Soziale Verteidigung – Schützen, was uns wichtig ist“ und zeigte auf, wie gewaltfreie Strategien und ziviler Widerstand zum Schutz von Gesellschaften beitragen können, während die Teilnehmenden in Gruppenarbeiten konkrete Handlungsmöglichkeiten erarbeiteten. Hilal Akdeniz von der Stiftung Dialog und Bildung, Berlin, beleuchtete in ihrem Vortrag „Frieden als Prüfstein der Moderne“, inwiefern Frieden ein Maßstab für gesellschaftlichen Fortschritt sein kann, und regte damit intensive Diskussionen an. Wolfgang Palaver gab als OSZE-Sonderbeauftragter Einblicke in aktuelle Herausforderungen und Einsätze der internationalen Friedensarbeit und machte die Komplexität globaler Konfliktlösungen greifbar.
Einen besonders bewegenden Teil des Wochenendes bildeten die persönlichen Zeugnisse unter dem Leitgedanken „Wer, wenn nicht ich?“: Freiwillige der Gemeinschaft Sant’Egidio berichteten über das Leben von Floribert Bwana Chui, der sich mutig gegen Korruption stellte und dafür mit seinem Leben bezahlte, während ein Videobeitrag das Engagement von Sevgi Karyağdı zeigte, die selbst in Gefangenschaft versuchte, Liebe und Mitmenschlichkeit zu leben. Darüber hinaus wurden soziale Initiativen gegen Jugendarbeitslosigkeit, Abwanderung und Kriminalität in Crotone, Kalabrien, vorgestellt, und Laurens Mayr berichtete von seinem Freiwilligen Sozialen Jahr in Georgien.
Auch das gemeinschaftliche Erleben kam nicht zu kurz: In den Pausen und beim Grillen am Lagerfeuer entwickelten sich persönliche Gespräche, neue Freundschaften entstanden und es gab Raum für Reflexion. Ein Teilnehmer fand beeindruckend, „dass der Frieden an diesem Wochenende nicht nur theoretisch behandelt wurde, sondern dass alle Teilnehmenden aktiv zu dem Frieden beitrugen, der sehr stark in der Gemeinschaft zu spüren war. Indem man einander zuhört und jede und jeder zu Wort kommen kann. Wir waren ein sehr bunter Haufen, und die vorgefundene Unterschiedlichkeit bereicherte die Gemeinschaft nur umso mehr.“
Die Pausen waren an die muslimischen Gebetszeiten angepasst und am Sonntag gab es eine katholische Messe. An beidem nahmen Teilnehmende anderen Glaubens als Gäste teil.
Insgesamt war das Wochenende geprägt von inspirierenden Impulsen, intensivem Austausch und der klaren Botschaft, dass Frieden nicht abstrakt bleibt, sondern durch das Handeln jedes Einzelnen konkret wird.
ein Bericht vom Organisationsteam des Friedensseminars
Auch in der Schweiz pflegen die Fokolar-Bewegung und die Hizmet-Bewegung intensive Beziehungen mit gegenseitigen Besuchen, Austausch und vielfältigem Engagement. Das bevorstehende Oasenweekend für Frauen in der Nähe von Luzern wird von Frauen beider Bewegungen vorbereitet. Es werden unter anderem die gemeinsamen Ziele beider Bewegungen vorgestellt und ein Türkisches Nachtessen schliesst den Tag ab.