Kim Ariffin
Wie viel Glück muss ein Unternehmen seinen Mitarbeitenden bieten? Und was gibt Menschen überhaupt Erfüllung im Leben? Diesen und vielen weiteren Fragen zum Thema Corporate Happiness gingen die drei Referierenden am Podiumsgespräch «Dialogforum» vom 22. September im Dialoghotel Eckstein in Baar auf den Grund: Prof. Dr. Andreas Krafft von der Universität St. Gallen (HSG) und Leiter der Forschungsgruppe des Hoffnungsbarometers, Prof. Dr. Emanuela Chiapparini von der Berner Fachhochschule (BFH) und Leiterin des Instituts Kindheit, Jugend und Familie, sowie Martin Iten, Vorsteher des offenen geistlichen Zentrums Kloster Maria Opferung in Zug. Ladina Spiess, freischaffende Moderatorin, leitete das Gespräch. Der Anlass für das Podium war das 50-Jahr-Jubiläum des Zentrums Eckstein, das sich im Laufe der Zeit vom Zentrum für die Fokolar-Bewegung in ein offenes Bildungs- und Begegnungszentrum zum heutigen Dialoghotel entwickelt hat. Im Zentrum stand auch der christliche Glaube der Referierenden. Der Saal war gut besetzt und die Anwesenden stellten im Anschluss des Gesprächs viele Fragen.
Andreas Krafft fokussiert sich unter anderem auf Arbeitsgesundheit und Organisationspsychologie. „In der wissenschaftlichen Forschung bedeutet Zufriedenheit, dass man gewisse Erwartungen hat und glücklich ist, wenn diese erfüllt werden“, sagt er. Dennoch würden auch Leid, Not und Trauer zu einem gelingenden Leben dazugehören. Auch Emanuela Chiapparini kennt diese Themen. Sie forscht über Armutsbekämpfung und Prävention und arbeitet deshalb mit armutsbetroffenen Menschen zusammen.
Das Problem sei, dass Armutsbetroffenen sich oft für ihre eigene Lebenssituation schämen würden, weswegen sie Angebote für Armutsbetroffene wie Sozialleistungen nicht nutzen würden. Es komme vor, dass sie sich zurückziehen, statt Teil einer Gemeinschaft zu werden. Allgemein könne man sagen, dass das Wohlbefinden der Menschen grösser sei, wenn eine Gesellschaft geeint und solidarisch ist. Emanuela Chiapparini fügt an: „Das Wohlbefinden einer Gesellschaft kann man daran messen, dass es den Schwächsten besser geht.“ Es reiche schon, Armutsbetroffene auf der Strasse würdevoll und respektvoll zu behandeln – auch wenn man ihnen kein Geld gibt.
Gemeinschaft ist laut Martin Iten besonders im Kloster wichtig. Im Ordensleben gehe es darum, wie man ein Gemeinschaftsleben regelt und ordnet – auch auf etwas Grösseres hin. Dabei seien Ausgewogenheit und Mass wichtig, denn alles solle jeweils zur richtigen Zeit passieren. Diese Struktur im Kloster, wonach man dort lebt, könne einem besonders in Krisen Halt geben. Im Berufsleben müsse man den Mitarbeitenden aber auch Freiraum geben, wie Andreas Krafft sagt: „In unserer Gesellschaft hatte man früher die Idee, Leistung müsse Krampf und Leiden sein. Das Gegenteil ist aber der Fall: Menschen, die mit innerer Genugtuung, Motivation und Freude zur Arbeit gehen, sind diejenigen, die etwas leisten.“
Er selbst mache, was in seiner Macht möglich sei, und überlasse das Unmögliche Gott. Glückliche Mitarbeitende nimmt er zudem als loyaler, arbeitsamer und belastbarer wahr. Für Emanuela Chiapparini ist Glück nicht kontinuierlich, Zufriedenheit aber schon. Man könne beispielsweise weinen und gleichzeitig persönliche Geborgenheit empfinden.
Sie sagt, der christliche Glaube trage sie in solchen Situationen. Dies ist auch bei Martin Iten der Fall: „Die Grundgewissheit, dass man nicht ganz allein ist, oder einen grösseren Sinn in allem sehen kann, ist wichtig.“