«In einer globalen, aber von Spaltungen geprägten Zeit nationalisieren sich die Religionen und unterstützen so ungute Machtausübungen», sagte Pfr. Matthias Leineweber an der ökumenischen Netzwerktagung am 30. Mai in Baar. «Unsere Antwort ist der mehr als 20jährige Weg der Freundschaft von über 400 christlichen Gemeinschaften».
«Die Orientierungslosigkeit erfasst heute alle, auch die Christen, die sich in nicht wenigen Fällen gegeneinander stellen, erkrankt am Nationalismus», mahnte Matthias Leineweber von der Gemeinschaft Sant Egidio in seinem Referat in Baar. Die Freundschaft mit Jesus führe jedoch zur Freundschaft untereinander: «Das ökumenische Netzwerk ‘Miteinander auf dem Weg’ ist kein Verein oder eine NGO aus eigener Initiative. Uns vereint Gottes Geist und die Freundschaft Jesu, der uns nicht Knechte nennt, sondern Freunde (Joh 15,15)».
In Anspielung auf den kürzlich gefeierten 500. Jahrestag der «Badener Disputation» betonte Leineweber: «Es war ein Versuch der Versöhnung zwischen Vertretern altgläubiger Katholiken und Anhängern der Reformation, um die Glaubenseinheit der Eidgenossenschaft zu bewahren. Dieses Treffen markierte den Beginn des für die Schweiz charakteristischen konfessionellen Nebeneinanders der Konfessionen mit umfassenden politischen und gesellschaftlichen Folgen. Das Gespräch anstelle der Kämpfe und Kriege, es ist immer noch von bleibender Aktualität angesichts der vielen Konflikte.»
«Wir sind nicht hoffnungslos»
Die ersten Betroffenen der Krisen, die auch Europa erfassen, seien die Armen: «Die technologische Einheit hat nicht zur Einheit der Menschen und Völker geführt. Im Gegenteil, die Armut ist größer geworden.» Anhand des Engagements seiner Gemeinschaft Sant Egidio zeigte Leineweber auf, was möglich wird: «Über zwei Jahre lang, zwischen 1990 und 1992, haben wir über den Frieden für Mosambik verhandelt und damit diesen 17 Jahre dauernden Bürgerkrieg beendet, der eine Million Tote und Millionen von Flüchtlingen gefordert hat. Mosambik gehörte damals zu den ärmsten Ländern der Welt.» Nun sei dieser Friede von neuem bedroht. Die Gemeinschaften von Sant Egidio in Mosambik sei äußerst besorgt. «Doch wir sind nicht hoffnungslos, wir haben eine Friedenskraft, die uns der Auferstandene an Ostern und Pfingsten geschenkt hat. Es ist beeindruckend zu sehen, wie unsere armen Geschwister in Mosambik z.B. Binnenflüchtlinge aus dem Norden aufnehmen und sie mit armen Mitteln unterstützen und die Gastfreundschaft leben.»
Wichtig sei, den Geist des Dialogs, der Freundschaft und der Zusammenarbeit zwischen den Religionen weiterhin zu fördern. Denn Religionen können in Konflikten sowohl „Öl ins Feuer gießen, wie auch zur Versöhnung beitragen“- je nachdem, ob sie ihre wahre Berufung vergessen oder leben.
Mut zum Fragmentarischen
An der Netzwerktagung im Dialoghotel Eckstein in Baar waren 56 Menschen aus 16 christlichen Gemeinschaften und Gruppierungen zusammengekommen, um über ihren «Weg der Freundschaft» nachzudenken. In Gesprächsgruppen wurde nach dem Referat von Matthias Leineweber ausgetauscht: «Welcher Auftrag ist für mich persönlich, für meine Gemeinschaft durch diesen Input aufgeleuchtet?» In zwei Workshops wurde anschliessend das Konzept der Freundschaft vertieft. Xandi Bischoff von der Kommunität Don Camillo führte dazu aus: «Freundschaft kann anderes gelten lassen, hat Pausen, kann schlummern, still sein, warten, hat Mut zum Fragmentarischen. Freundschaft ist nicht perfektionistisch. Sie lässt den anderen/die andere stehen, so wie sie ist. Sie ist fakultativ.»
Den Abschluss der Tagung bildete eine liturgische Feier, in der das «Bündnis der gegenseitigen Liebe» erneuert wurde, das die Grundlage für dieses vielfältige, farbige internationale Netzwerk ist.
Die Macht der Jugend
«Wir jungen Menschen warten nicht auf die Zukunft: Wir sind bereits die Gegenwart Europas.“ Das zeigten 120 junge Erwachsene aus ganz Europa Mitte Mai am Treffen in Brüssel, organisiert vom ökumenischen Netzwerk „Miteinander für Europa“, dessen Schweizer Zweig das «Miteinander auf dem Weg» ist. Ein Generationenpakt, der junge und ältere Generationen zu einer aktiven, partnerschaftlichen Zusammenarbeit für Europa verpflichtet, Diskussionen zur Zukunft der kontinentalen Einheit Europas und ein direkter Dialog mit Abgeordneten des Europäischen Parlaments gehörten zum Programm.
Hier finden Sie den ganzen Artikel zu diesem beeindruckenden Treffen:
https://fokolar-bewegung.de/wir-sind-bereits-die-gegenwart-von-europa
von Beatrix Ledergerber