Auch stille Phasen bekamen Raum, in denen Frau sich erlauben darf, nicht immer blühen zu müssen und gerade dann besonders liebevoll mit sich umzugehen. Der Blick richtete sich aber auch auf das, was noch im Verborgenen schlummert und aufbrechen möchte: ein ungelebter Teil, ein lang ersehnter Wunsch, ein verborgenes Talent oder ein immer wieder aufgeschobenes Projekt. Was brauchen diese Knospen für ihre Entfaltung, damit jede Frau ihren ganz eigenen «Duft» in die Welt tragen kann?
Mit diesen Fragen machten sich die 30- bis 70-jährigen Frauen in kleinen Gruppen auf einen Impulsweg. Zunächst lauschten sie still nach innen und teilten ihre Impulse. Doch es blieb nicht beim Nachdenken: Gemeinsam suchten sie auch nach ersten konkreten Schritten, um aus dem Wollen ins Tun zu kommen.
Schwestern in Herz und Geist
Begonnen hatte der Nachmittag mit einem entspannten Picknick unter den alten Bäumen des lauschigen Klosterparks an der Limmat. Beim Kennenlernspiel wurde es persönlich: Was verriet die Lieblingsblume über jede Oasenfrau? Als «Schwestern in Herz und Geist» kamen sich die Frauen anschliessend in einem lebendigen Interview näher – und entdeckten rasch, wie viel die beiden Bewegungen verbindet: der Einsatz für Frieden und Geschwisterlichkeit, gelebte Nächstenliebe und der Wunsch, aus der Beziehung zu Gott heraus die Welt mitzugestalten.
Mein wahres Ich im Spiegel des Du
Nach meditativen Kreistänzen, die Körper und Seele in Bewegung brachten, führte eine Übung nach dem Zürcher Ressourcenmodell noch tiefer. Sie machte konkret erfahrbar, wovon wir oft nur theoretisch sprechen: dass wir im Tiefsten alle verbunden sind. Wie wir einander verborgene Stärken und Sehnsüchte spiegeln und so gegenseitig zum Geschenk werden können, zeigte sich eindrücklich in Dreiergruppen: Eine Frau wählte intuitiv ein Bild, das sie anzog – ob positiv oder negativ, war gleichwertig –, sagte aber nichts dazu, sondern liess die beiden anderen assoziieren. Aus einigen Worten, die in der ersten Frau Resonanz fanden, entstand dann ein überraschend persönlicher Mottosatz für ihren eigenen Weg. So brachte der Herzensblick des Gegenübers blinde Flecken ans Licht, die Frau selbst noch nicht sehen konnte. Eine kostbare Erfahrung: «Ich konnte in diesen Stunden mich selbst sein wie noch selten zuvor», war eine der Rückmeldungen nach diesem Tag.
Was weiterblüht
Auch im gemeinsamen Gebet für den Weltfrieden wurde diese tiefe Verbundenheit spürbar. «Die offenen Gespräche und das gemeinsame Lachen waren eine bereichernde Erfahrung», schrieb eine Teilnehmerin. «Das hat mir erneut gezeigt, wie wichtig Liebe, Respekt und Akzeptanz sind. Besonders stark fand ich, dass wir auf dem Weg der Gottesliebe die gleichen oder sehr ähnliche Absichten und Werte teilen.»
Beim köstlichen türkischen Buffet, mit dem die Hizmet-Frauen alle zum Schlussgenuss beschenkten, klang der Tag so herzlich aus, wie er begonnen hatte. Was bleibt, ist die Freude über eine «Oase in der Wüste des Alltags» – wie es eine zweifache Mutter ausdrückte –, über neu geknüpfte Freundschaften und Umarmungen, die weit über diesen Tag hinauswirken. So wurde aus vielen einzigartigen Blüten ein duftender Strauss gelebter Verbundenheit.
Beatrix Ledergerber und Noemi Deak