Fokolare in Algerien im «Dialog der Herzen»

In Algerien sind weniger als 1 % der Bevölkerung Christinnen und Christen. Umso lebendiger ist der interreligiöse «Dialog der Herzen», wie ihn die Fokolar-Bewegung vor Ort seit 60 Jahren lebt. 

Das Bild ging um die Welt: Papst Leo XIV. wird bei seiner Ankunft am 13. April in der Großen Moschee von Algier von Rektor Mohamed Mamoun Al Qasimi begrüsst. Der Papst-Besuch in diesem flächenmässig grössten afrikanischen Land rückte damit den interreligiösen Dialog und all jene, die sich dafür engagieren, in den Vordergrund. Für das internationale Newsportal RNS* Grund genug, die Fokolar-Bewegung vor Ort vorzustellen. Im Folgenden eine Kurzfassung des Artikels:

Ein prägendes Ereignis für die algerische Fokolar-Bewegung ereignete sich in ihren Anfangsjahren, als Mitglieder der ersten Gemeinschaft mitten in der Nacht ein schwer krankes algerisches Kind ins Krankenhaus brachten und darauf bestanden, dass die Ärzte seine Behandlung priorisierten. Das Kind wurde gesund. Sein Vater, ein muslimischer Imam, bot aus Dankbarkeit an, den Fokolaren seinen muslimischen Glauben näherzubringen. Von da an gab er Kurse im Fokolar-Zentrum von Algier – der interreligiöse Dialog der Fokolar-Bewegung vor Ort war geboren. 

Ein «Haus des Friedens»

Die algerische Fokolar-Gemeinschaft entstand, als eine verlassene Benediktinerabtei im Nordwesten Algeriens kostenlos – abgesehen von den Renovierungskosten – zur Verfügung gestellt wurde. Chiara Lubich, die Gründerin der Fokolar-Bewegung, entsandte einen Franzosen und zwei Italiener, darunter Ulisses Caglione, einen Mechaniker und Baumeister. Die drei fuhren mit einem Citroën von Paris zur Abtei in Tlemcen, einer Bergregion, die für ihre exquisite maurische Architektur bekannt ist und etwa 50 Kilometer von der marokkanischen Grenze entfernt liegt. Die drei kamen im Oktober 1966 an, in der Hoffnung, ein Dar es Salaam, ein Haus des Friedens, zu errichten, was im Koran auch ein Name für das Paradies ist. 

Die Gemeinschaft wuchs durch Freundschaften und den „Dialog des Lebens“, der in «gegenseitige Ermutigung bestand», sagt Didier Lucas, der seit 2009 in der Fokolar-Gemeinschaft in Tlemcen lebt. Die meisten Mitglieder der Fokolar-Bewegung in Algerien sind Muslime, hauptsächlich Frauen, die in kleinen Gruppen sich im ganzen Land engagieren, sei es bei der Unterstützung lokaler Seniorenzentren, beim Unterrichten von Schülern oder beim gemeinsamen Lernen.

Ulisses Caglione wurde 1985 von Bischof Pierre Claverie von Oran zum Priester geweiht. Claverie wurde mehr als zehn Jahre später in Algerien durch eine Autobombe getötet. Caglione weigerte sich, Algerien während des „dunklen Jahrzehnts“ zu verlassen. Nach Cagliones Tod im Jahr 2003 muslimische Mitglieder der stark angewachsenen Fokolar-Gemeinschaft in Tlemcen: „Ulisses war für uns ein Bindeglied zwischen Christentum und Islam. … Wir lernten, unvoreingenommen und ohne Urteil zuzuhören. Er lehrte uns, alles aus Liebe zu tun. Er lehrte uns, Liebe zu sein. Er zeigte stets seine Liebe zu Gott. Er war für uns das Vorbild eines Gläubigen.“

Begegnungen bewirken innere Transformation

Nadjia Kebour, eine algerische Dozentin für Islamwissenschaften am Päpstlichen Institut für Arabische und Islamische Studien in Rom, sagte gegenüber RNS: „In Algerien gibt es einen Dialog des Lebens, insbesondere mit christlichen Gemeinschaften, zum Beispiel der Fokolar-Bewegung und den Kleinen Schwestern Jesu, die unter Muslimen leben und ihr Leben mit Muslimen teilen.» Und sie schliesst: „Der interreligiöse Dialog kann eine Frage des gemeinsamen Lebens sein. Nach jahrelanger Praxis solcher Dialoge würde ich sagen, dass das Ergebnis interreligiöser Begegnungen die innere Transformation des Einzelnen ist. Der Dialog verändert nicht die Doktrin, aber er verändert das Herz. Und diese persönliche Transformation ermöglicht gesellschaftliche Transformation, indem sie echte Toleranz und Wertschätzung schafft.“

Der ganze Artikel: 

https://religionnews.com/2026/04/13/pope-leo-will-encounter-a-distinct-example-of-catholic-muslim-connection-in-algeria/

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