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Die Liebe zum Nächsten

Wenn ein Student zufällig die Fragen des Schlussexamens erfahren würde, wäre er überglücklich und würde sich gründlich vorbereiten. Das Leben ist eine Prüfung, und an seinem Ende ist ein Examen abzulegen. Aber Gottes grenzenlose Liebe hat uns die Fragen im voraus genannt: "Ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben ..." (Mt 25,35). Die Werke der Barmherzigkeit werden der Examensstoff sein. An ihnen wird Gott sehen, ob wir ihn wirklich geliebt, ob wir ihm in den Brüdern und Schwestern gedient haben.

Im Grunde ist das nicht schwer; es ändert nicht viel an dem, was wir ohnehin tun. Es genügt, jede Beziehung zum Nächsten auf eine übernatürliche Ebene zu heben. Gleich, welche Berufung wir haben, als Vater oder Mutter, Landwirt oder Angestellter, Abgeordneter oder Staatsoberhaupt, Student oder Arbeiter, den ganzen Tag über bietet sich uns, direkt oder indirekt, immer wieder eine Gelegenheit, Hungernde zu speisen, Unwissende zu belehren, Lästige zu ertragen, Zweifelnden einen guten Rat zu geben, für die Lebenden und Verstorbenen zu beten. Mit einer neuen Einstellung in allem, was wir unterschiedslos für jeden Nächsten tun, wird jeder Tag des Lebens uns auf die Ewigkeit vorbereiten. Wir werden Schätze sammeln, die weder Wurm noch Motte zerstören können (vgl. Mt 6,20).

(Chiara Lubich)