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Die gegenseitige Liebe

"Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich Euch geliebt habe" (Joh 15,12)

Mit diesem Gebot hat uns Jesus das Erkennungszeichen gegeben, das in allen Jahrhunderten die Christen von denen unterscheiden soll, die noch nicht zu seiner Kirche gehören. Wenn wir Christen uns nicht dadurch auszeichnen, werden wir mit der Welt verwechselt und verlieren die Ehre, für Kinder Gottes gehalten zu werden. Und törichterweise vertun wir die vielleicht größte Chance, in einer frostigen, von Unglauben, Gleichgültigkeit und Aberglauben geprägten Umgebung Gott zu bezeugen. Die Welt sollte ein eindrucksvolles Zeugnis geschwisterlicher Eintracht erleben und von uns wie von denen, die uns vorangegangen sind, sagen können: "Seht, wie sie einander lieben!" "Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen" (Mt 18,20)

Gott hat uns so sehr geliebt, dass er einer von uns geworden ist. Da beginnen wir, etwas von der Logik seiner Liebe zu erfassen, und wir ahnen, dass er nicht aufhört, sich um uns und das, was uns bewegt, zu sorgen. Er will weiter unter uns sein. Er möchte mit uns Freude und Leid, Verantwortung und Mühe teilen. Vor allem will er unser Bruder sein. Es ist ihm nicht genug, uns seine Gegenwart nur dann zu schenken, wenn wir uns feierlich zur Eucharistie versammeln. Auch seine Präsenz durch die Hierarchie oder in seinem Wort genügen ihm nicht... Er möchte immer bei uns sein. Und dazu genügen ihm zwei oder drei Christen, die keineswegs bereits heilig zu sein brauchen. Ihm sind zwei oder drei Menschen mit gutem Willen genug, die an ihn glauben und vor allem an seine Liebe.

Wenn wir in dieser Weise leben und lebendige Zellen der Kirche bilden, werden sie mit der Zeit das Stück Gesellschaft, in das sie hineingestellt sind, beleben und schließlich auf die Gesellschaft als ganze einwirken... - mit Konsequenzen, die wir nicht zu hoffen wagen.

(Chiara Lubich)