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28/04/2016 21:37
Die Worte des Papstes im Villaggio della Terra


Wortlaut der spontanen Rede von Papst Franziskus bei der Veranstaltung in Villa Borghese, organisiert von der Fokolar-Bewegung als Teil der rmischen Mariapoli und von Earth Day Italia

Als ich euch zuhrte, kamen mir zwei Bilder in den Sinn: die Wste und der Wald. Ich dachte mir: diese Leute hier ihr alle nehmen die Wste und verwandeln sie in einen Wald. Sie gehen dorthin, wo Wste ist, wo es keine Hoffnung gibt, und tun Dinge, die aus dieser Wste einen Wald machen. Der Wald ist voller Bume, er ist grn, er ist aber auch nicht ganz so geordnet aber so ist das Leben! Von der Wste zum Wald, ihr macht eine gute Arbeit. Ihr verwandelt Wsten in Wlder! Und dann wird man erkennen, wie man gewisse Dinge in diesem Wald regulieren kannAber dort ist Leben, hier nicht: in der Wste ist der Tod.

Es gibt viele Wsten in den Stdten, viele Wsten im Leben der einzelnen Personen, die keine Zukunft haben, weil es immer und hier wiederhole ich ein Wort von euch Vorurteile und ngste gibt. Und diese Leute mssen in der Wste leben und sterben, in den Stdten. Ihr aber wirkt dieses Wunder: Wsten werden zu Wldern: macht weiter so. Habt ihr einen Plan fr eure Arbeit? Ich glaube nicht Wir nhern uns und sehen, was zu tun ist. Und das ist Leben! Man muss das Leben nehmen, wie es kommt. Wie ein Torwart: er muss den Ball fangen, woher er auch kommter kommt mal aus dieser Richtung, mal aus jenerMan darf keine Angst vor dem Leben haben, keine Angst vor Konflikten. Man hat mir einmal gesagt aber ich wei nicht, ob das stimmt, ich habe es nicht nachgeprft, aber man kann es nachprfen dass das Wort Konflikt im Chinesischen in zwei Zeichen besteht: ein Zeichen steht fr Risiko und eines fr Gelegenheit. Es stimmt, der Konflikt birgt ein Risiko, aber auch eine Gelegenheit.

Wir knnen den Konflikt als etwas ansehen, von dem man sich fernhalten muss: Nein, da ist ein Konflikt, da gehe ich nicht hin. Wir Christen wissen gut, was seinerzeit der Levit und der Priester fr den armen Mann, der halbtot auf der Strae lag, getan haben (vgl. Lk 10,30-37). Sie gingen vorbei und schauten nicht hin, um sich nicht nhern zu mssen. Wer nichts riskieren will, wird sich niemals der Realitt nhern: um die Wirklichkeit zu erfassen, um sie auch mit dem Herzen aufzunehmen, muss man sich ihr nhern. Dieses sich-Nhern birgt ein Risiko, aber auch eine Gelegenheit: fr mich und fr den Menschen, dem ich mich nhere. Fr mich und fr die Gemeinschaft, auf die ich zugehe. Ich denke an die Zeugnisberichte, die ihr hier gegeben habt, zum Beispiel im Gefngnis, mit eurer ganzen Arbeit. Der Konflikt: nie, nie, nie darf man wegschauen, um den Konflikt nicht zu sehen. Die Konflikte muss man auf sich nehmen, die bel muss man auf sich nehmen, um sie zu lsen.

Die Wste ist hsslich, die im Herzen von uns allen und die in den Stdten: sie ist nicht schn. Auch die Wste in den Schutzzonen Sie ist hsslich. Aber wir drfen keine Angst davor haben, in diese Wsten hineinzugehen, um sie in Wlder zu verwandeln. In den Wldern gibt es berstrmendes Leben, man kann die Trnen trocknen und alle knnen wieder lcheln.

Der Psalm des Volkes Israel in der babylonischen Gefangenschaft macht mich sehr nachdenklich: Wie knnten wir singen, fern auf fremder Erde? (vgl Ps 137). Sie hatten ihre Instrumente dabei, aber sie waren freudlos als Geiseln in einem fremden Land. Doch als sie befreit wurden, heit es im Psalm, wir konnten es nicht glauben, unser Mund fllte sich mit Lachen. In diesem bergang von der Wste zum Wald, zum Leben wird wieder gelacht.

Ich gebe euch eine Hausaufgabe auf: schaut euch die Gesichter der Menschen an, denen ihr auf der Strae begegnet: sie sind sorgenvoll, verschlossen, niemand lchelt, von Zrtlichkeit keine Spur, mit anderen Worten: uns fehlt die soziale Freundschaft. Wo es diese Freundschaft nicht gibt, herrschen Hass und Krieg. Wir erleben derzeit berall auf der Welt einen Dritten Weltkrieg in Raten. Schaut euch die Weltkarte an, dann seht ihr das. Soziale Freundschaft beginnt oft mit dem Verzeihen, das ist das erste Wort. Sie beginnt damit, dass man auf etwas zugeht: ich nhere mich diesem Problem, diesem Konflikt, dieser Schwierigkeit, wie wir es von den mutigen Jugendlichen gehrt haben, die sich auf den Weg in die Spielhllen machen, wo die Menschen alles, wirklich alles verlieren. In Buenos Aires habe ich alte Frauen gesehen, die ihre Pension abhoben und sofort ins Casino gingen, zum Glcksspiel. Und diese Jugendlichen nhern sich diesem Ort, um den Menschen zu helfen. Hingehen

Und dann noch etwas, was mit dem Spiel zu tun hat, aber auch mit dem Sport und der Kunst: Unentgeltlichkeit. Soziale Freundschaft baut man gratis auf. Ein wichtiges Wort in einer Welt, in der man meint, alles bezahlen zu mssen, um leben zu knnen. Gott hat Mann und Frau geschaffen als Mittelpunkt der Schpfung, also auch als Mittelpunkt der Wirtschaft, sie wurden verjagt und stattdessen haben wir den Gott des Geldes im Zentrum der Wirtschaft. Die sich ihm nhern knnen, um ihn anzubeten, nhern sich diesem Gott, die anderen enden im Hunger, in der Krankheit, in der Ausbeutung Denkt nur an die Ausbeutung der Kinder, der Jugendlichen.

Unentgeltlich ist ein Schlsselwort. Ich setze mein Leben ein, so wie es ist, und verwandele zusammen mit den anderen die Wsten in Wlder. Unentgeltlichkeit ist eine groartige Sache!

Und Vergebung, auch vergeben. Denn durch die Vergebung verschwinden Groll und Entrstung. Die Vergebung zerstrt nie, sie baut immer auf.

Das kam mir in den Sinn. Und wie geht das? Einfach in dem Bewusstsein, dass wir alle etwas gemeinsam haben, wir sind alle Menschen. Und in diesem Menschsein gehen wir aufeinander zu und arbeiten zusammen. Aber ich gehre zu dieser Religion, zu jener. Das spielt keine Rolle! Vorwrts, um miteinander zu arbeiten. Sich achten, sich respektieren! Dann werden wir dieses Wunder erleben: das Wunder der Wsten, die zu Wldern werden.

Vielen Dank fr alles, was ihr tut! Danke!