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20/06/2010 15:22 |
Brennpunkt Ehe

Von: WALTER BOCHE

Brennpunkt EHE - heute aktuell!
Brennpunkt EHE - heute aktuell!

Chancen des Gelingens durch gute Kommunikation.
Chancen des Gelingens durch gute Kommunikation.

Die Liebe neu erleben

Über 90 Paare aus allen Sprachregionen der Schweiz gingen am 12. und 13. Juni am Eheseminar in Baar auf Entdeckungsreise durch die Epochen der Partnerschaft, durch Licht und Schatten ihrer Beziehung.

„Ich bin gekommen, einfach so, um mich überraschen zu lassen“, meinte ein Teilnehmer. Und Überraschungen gab`s in wahrer Fülle. Die beiden Referenten Rita und Rino  Ventriglia aus Italien verstanden es meisterhaft und mit hoher Fachkompetenz , die Teilnehmenden hinein zu nehmen in einen tiefen Reflexionsprozess über das Wesen von Partnerschaft und Liebe. Mit ihrer reichen Erfahrung und ihrem eigenen lebendigen Zeugnis gelebter Beziehung überzeugten sie. Rino Ventriglia ist Neurologe und Psychotherapeut sowie Dozent für Beziehungspsychologie, Rita Vengriglia-della Valle ist Gynäkologin, Sexologin und Familienberaterin.

Was ist Liebe?

Zum Nachdenken regten die folgenden Themen an: Epochen einer Partnerschaft, beginnend bei der Phase des Verliebtseins, über die ersten Jahre des Ehelebens und der Suche nach tragender Stabilität, bis hin zum gemeinsamen Altwerden. Was ist eigentlich Liebe? Liebe ist die Energie, um die Beziehung zu vertiefen; sie hilft, über den Alltagsbetrieb hinauszugehen; sie ist eine Haltung, die zeitlebens gelebt und gepflegt werden will bis ins gemeinsame Altwerden. Sie hilft auch, Schattenzonen in der Partnerschaft zu erleuchten. Sie lässt lebendige Zeugen des WIR heranwachsen, wo beide Ehepartner sich wohlfühlen und sich verwirklichen. Auch das Bewusstsein der Ursprungsfamilie lässt die Andersartigkeit der Partner besser begreifen. Ob die Worklife balance immer gelingt, hängt von der Kommunikationsfähigkeit ab, die sich nicht im Austausch nur über das Tun und Machen erschöpfen darf, sondern Raum öffnen soll dem Fragen nach der tieferen Befindlichkeit des Partners. Hier die Warnzeichen nicht übersehen, hält die Partnerschaft am Leben. Sicher bleiben Krisen nicht aus; sie sind aber auch Chancen, sich eine Auszeit zu nehmen für einen Dialog, verzichten auf gewohnten Konsumismus, Vorwürfe und Verurteilungen zu lassen, um die Perle im anderen zu suchen und neu zu entdecken. Zeigt sich da nicht schon Licht, das aus dem Tunnel führen kann?

Offen reden

Ein Paargespräch gab Gelegenheit, bei einem Spaziergang über sich und den Weg miteinander offen zu reden mit allen Vorlieben, aktuellen Problemen, Ängsten und Ansichten bis in Arbeit und Zeitmanagement und Konflikten mit neuen Chancen. Im nachfolgenden Austausch im Plenum tauchte immer wieder die Maxime auf – „Pflegt die erste Liebe zu eurem Partner, die nicht besitzen will, sondern erlaubt, den anderen in sich aufzunehmen und so tiefer zu verstehen.“

Am Sonntag wurde die Verschiedenheit von Mann und Frau, Themen wie Intimität und Sexualität reflektiert. Trotz biologischer, erzieherischer und kultureller Unterschiede ist Einheit des Paares möglich, weil wir verschieden sind – ein provozierender Satz, der seine Begründung fand im Geschaffensein des Menschen als Ebenbild Gottes als Mann und Frau. Hier tauchten dann Haltungen ins Licht wie Zärtlichkeit in der Beziehung, die Zeit und Raum braucht. Herausfordernd und anfragend auch Worte wie Phantasie, lebendige Kommunikation, Innehalten, Stand der Beziehung, Konflikte, Verzichten auf Rechthaben, Verzeihen und Versöhnung.

In Gottes Hand

Ein bewegender Moment für alle war das Timeout als gemeinsames ökumenisches Gebet, wesentlich gerade auch für konfessionsverschiedene Paare. Hier konnte alles in die göttliche Hand gelegt werden als Danke für die überraschenden Geschenke zur Besinnung, die innere Bewegtheit und Aufgewühltheit, die Freuden und Schmerzen, Verkraftungen und Hoffnungen, die neuen Anfänge.

Nach dem erneuten Paargespräch bot ein moderiertes Gespräch mit den Teilnehmenden dem Referentenpaar die Möglichkeit, konkret und aus persönlicher Erfahrung zu drängenden Fragen Stellung zu nehmen. Die Dualität – verlieren und gewinnen, Tod und Leben, Schmerz und Liebe bekamen nun persönliche Noten. Langanhaltender Beifall drückte die reiche Zufriedenheit und den Dank aller aus und spiegelte die tiefe Beziehung zwischen Referentenpaar und Teilnehmenden.