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18/05/2010 20:32 |
Ökumenischer Kirchentag in München

Von: ANDREA FLEMING

Teilnehmer aus der Schweiz
Teilnehmer aus der Schweiz

Einheit ist möglich.
Einheit ist möglich.

Europa des Geldes reicht nicht

Forum der Bewegungen und Gemeinschaften auf dem Ökumenischen Kirchentag in München.

Die Vision eines geeinten Europas sei auf den Trümmern des Zweiten Weltkrieges entstanden, in der Hoffnung auf Freiheit und Frieden, sagte Andrea Riccardi, Gründer der Gemeinschaft Sant'Egidio, am 14. März auf dem 2. Ökumenischen Kirchentag. Doch dieses Europa werde aufhören, Geschichte zu schreiben, wenn es sich abschotte oder ins „kleine gemütliche Eigene" seiner Länder flüchte. Riccardi sprach im Rahmen des Forums „Zeichen der Hoffnung", gestaltet von Bewegungen und Gemeinschaften im Miteinander für Europa. Ein Europa des Geldes reiche nicht, es brauche ein Europa, das großzügig sei gegenüber den Armen, gegenüber anderen Kontinenten. Der Weg des Miteinander der christlichen Bewegungen und Gemeinschaften, der so demütig vor gut zehn Jahren begonnen habe, sei ein großes ökumenisches Zeichen für die Kirche und die Gesellschaft.

Auch aus der Schweiz

Etwa zwei Drittel der 1900 Besucher des ganztägigen Forums kamen aus den Bewegungen selbst. Auch eine kleine Delegation aus der Schweiz war vertreten. „Jedes Mal, wenn wir wieder europaweit zusammenkommen, bleibt der Eindruck, dass das 'Miteinander unter den Bewegungen' eine noch grössere Reife erreicht hat; auch eine Reife im wertschätzenden Umgang unter den Verantwortlichen", sagt Kathrin Reusser von der Fokolar-Bewegung aus Zürich. Und Peter Dettwiler, Beauftragter für Ökumene der evangelisch-reformierten Landeskirche des Kanton Zürich ergänzt: „Diese Gemeinschaft von Gemeinschaften, diese Gemeinschaft verschiedener Bewegungen bringt - so denke ich - die Ökumene voran. Dies ist für mich wirklich ein ökumenisches Ereignis, das auch ein grosses Geschenk ist für die Kirche."

Podiumsdiskussionen, Zeugnisse, Erfahrungsberichte gelebten Miteinanders etwa im Bereich von Ehe und Familie, mutige Visionen, Gebete, musikalische und künstlerische Beiträge dieses Tages reflektierten diesen Weg des Miteinander.

Fünf Schlüsselerfahrungen des Miteinanders beschrieben Thomas Römer vom CVJM München und Edith Wenger (Teen Challenge) am Nachmittag: Die Gegenwart von Jesus inmitten derer, die nach seinem Wort leben, eine echte Entscheidung füreinander, das Wort Gottes, Versöhnung und Entdeckung des Reichtums der anderen.

Charismen wirken lassen

Zum Ausdruck kam in den Veranstaltungen auch der Dialog zwischen Kirchenleitungen und Bewegungen. Der katholische Bischof Joachim Reinelt aus Dresden und der evangelische Landesbischof Frank Otfried July aus Stuttgart ermutigten die Bewegungen, ihre Charismen in die ganze Kirche hineinwirken zu lassen. Bewegungen können die Kirchen bewegen, so Siegfried Großmann (Bund der Evang.-Freikirchlichen Gemeinden in Deutschland), in einer „Kultur der Ergänzung", in gegenseitigem Geben und Nehmen - wie es im „Bündnis der gegenseitigen Liebe" unter den Bewegungen und Gemeinschaften gelebt werde . Im zweiten Teil des Nachmittags entwickelte sich ein lebhaftes, engagiertes Gespräch zwischen Maria Voce, Präsidentin der Fokolar-Bewegung, Landesbischof Johannes Friedrich, München, Bischof Frantisek Radkovsky, Pilsen und Gerhard Proß vom CVJM Esslingen. Dabei wurden die Schritte deutlich, die die Bewegungen aufeinander zu und auch in Richtung der Kirchenleitungen schon getan haben. Als die Mauer in Berlin gefallen sei, so Maria Voce, seien viele Menschen nicht vorbereitet gewesen. Der Prozess des Zusammenwachsens habe viel Zeit in Anspruch genommen. Sie mahnte an, die Zeit, die es bis zur Vereinigung der Kirchen noch brauche, zu nutzen. „Wenn dann der Tag kommt, an dem die Mauern zwischen den Kirchen fallen, sind wir vorbereitet, weil wir als Christen leben, die gelernt haben, einander zu lieben", ergänzte sie. Tosender Beifall, nur noch überboten von der kühnen Vision von Gerhard Proß: Er wünsche sich, dass im Jahr 2017 - 500 Jahre nach dem Thesenanschlag Martin Luthers - der Präsident des Lutherischen Weltbundes, der Papst, der Vorsitzende des Weltkirchenrates und Vertreter der Orthodxie gemeinsam nach Wittenberg gingen, um dort 10 Thesen der Einheit an die Tür der Schlosskirche zu schlagen.

Mit der Feier des Bundes der Liebe, umrahmt von persönlichen Zeugnissen und Impulsen, sowie einem Lobpreiskonzert klang der Tag aus.

Offizielle Homepage von Mitteinander für Europa

Die Initiative „Miteinander für Europa" ist ein internationales Netzwerk von rund 250 christlichen Bewegungen und Gemeinschaften aus ganz Europa. Sie entstand 1999 und verbindet evangelische, katholische, anglikanische und orthodoxe Christen ebenso wie Mitglieder von Freikirchen und neuen Gemeinden. Auf Einladung des Präsidiums des 2. Ökumenischen Kirchentag in München gestalteten die Gemeinschaften ein Forum unter dem Titel „Zeichen der Hoffnung", zu dem 1900 Besucher kamen.