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30/01/2017 15:33 |
500 Jahre Reformation: ein Jubiläum für wen?

Von: BEATRIX LEDERGERBER-BAUMER



Reformationsgedenken in ökumenischer Perspektive

Der Saal im Begegnungs- und Bildungszentrum Eckstein war voll – gut 100 Personen wollten Geschichte und Bedeutung der Reformation aus katholischer und reformierter Sicht kennen lernen.

«Man kann die Reformation als Spaltung der Kirche und Auslöser für viele Kriege ansehen», sagte der katholische Theologe Helmut Sievers, langjähriger Leiter des Sekretariats für die weltweiten Kontakte unter Bischöfen verschiedener Konfessionen, die der Fokolar-Bewegung nahestehen. «Man kann aber auch sagen, dass die Reformation dringend notwendige neue theologische Erkenntnisse und Entwicklungen angestossen hat, die heute für alle Kirchen wichtig sind.» Der reformierte Theologe Peter Dettwiler, langjähriger Leiter der Ökumene-Fachstelle in der Zürcher Landeskirche, zeigte anhand der Versöhnung zwischen den Reformierten und der Täufer-Bewegung, wie wichtig es ist, die Schuld der Vergangenheit auszusprechen, um zu einer Versöhnung zu gelangen. Lange habe man die Nachteile der anderen Kirche mit den Vorteilen der eigenen Kirche verglichen, um dann überzeugt zu sein, selber den besten Glauben zu besitzen.

Erneuerung und nicht Spaltung

Die Reformatoren hätten die Kirche erneuern, nicht spalten wollen, betonte Dettwiler: «Die ökumenische Bewegung führt heute das fort, was die Reformation beginnen wollte: die Erneuerung der Kirche.» Die Annäherung könne auch Ängste auslösen, es sei wichtig, darüber zu sprechen, erklärten die beiden Referenten. «Die Dreifaltigkeit lehrt uns: Die Verschiedenheit ist ein Merkmal Gottes!», meinte Sievers. Die Kirchen müssten aber noch mehr voneinander lernen.

Im Dialog mit dem Publikum – nach einer kurzen Pause – gingen die Referenten vertieft auf die noch offenen Fragen wie die gemeinsame Eucharistie oder das unterschiedliche Amtsverständnis ein.

«Es braucht mit der Zeit ein Bischofsamt in der Reformierten Kirche», meinte der reformierte Theologe Dettwiler. «Und in der katholischen Kirche braucht es mehr Synodalität in den Entscheidungsprozessen, mehr Kollegialität in der Leitung», ergänzte Sievers. Wichtig sei, das starke Zeichen der Einheit, das der Lutherische Weltbund und der Papst zu Beginn der Reformationsfeierlichkeiten in Lund (Schweden) gesetzt haben, mit dem eigenen Leben zu unterstützen: «Das Leiden an der Trennung ist Teilhabe am Erlösungswerk Christi“, schloss Sievers. Und Dettwiler: „Jesus unter uns ist der wahre Reformator, er kann heute die Kirchen erneuern.“