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18/06/2017 22:15 |
Christen gemeinsam auf dem Weg



Eine außergewöhnliche Ökumenische Woche

Mitte Mai fand eine außergewöhnliche “Ökumenische Woche” ihren Abschluss: 700 Christen aus 69 Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften aus 42 Ländern trafen sich vom 9.-13. Mai in Castel Gandolfo/Rom - unter ihnen auch 60 katholische und reformierte Christen aus der Schweiz.

Hautfarbe, Sprachen und unterschiedlichste liturgische Gewänder machten den Titel des Kongresses auf eindrückliche Weise sichtbar: Christen auf dem Weg zur Einheit. Referate, Gruppengespräche, Gebete, Gottesdienste, Podiumsdiskussionen dienten dem gegenseitigen Kennenlernen. Das Beten miteinander und der Austausch konkreter Erfahrungen mit dem Evangelium – immer aus der Sicht der Einheit und der vollen Öffnung für die andere Kirchen und Gemeinschaften – ließ die Teilnehmenden die Schönheit der Kirche Christi erfahren, in der die Gläubigen das Herzstück des Evangeliums in die Tat umsetzen: die gegenseitige Liebe.

Der verlassene Jesus als Wegbegleiter

Eine zentraler Aspekt der Lebenserfahrung von Chiara Lubich bildete die Grundlage zur Vertiefung des Kongressthemas: „Jesus am Kreuz – Schlüssel zur Einheit“. Der Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen, Rev. Olaf Fykse Tveit, erinnerte in seiner Videobotschaft an eine Aussage, die bereits 1925 gemacht wurde: „Je mehr wir uns dem Kreuz nähern, desto näher kommen wir Christen auch einander.“ Bewegende Erfahrungen bezeugten diese tiefe Wahrheit, die von Beiträgen von Theologen verschiedener Kirchen beleuchtet wurden, wie z.B. von Prof. Martin Robra vom Ökumenischen Rat der Kirchen: „Wenn Jesus der Verlassene uns auf unserem gemeinsamen Weg begleitet, werden wir lernen, die Vergangenheit, die uns trennt, neu zu bestimmen. Wir werden mit größerer Klarheit erkennen, wohin Gott uns als Jünger Christi führen will.“

Ein Höhepunkt war das Gebet um die Einheit in den römischen Katakomben des Heiligen Sebastian, bei dem der „Bund der gegenseitigen Liebe“ (Joh 13,34) geschlossen wurde, um „dieses unter uns gelebte Zeugnis in unsere Gemeinschaften zu tragen, unsere Länder, unsere Gesellschaft.“ Vieles lässt an das Pfingstereignis denken.

Gemeinsamen Weg fortsetzen

Maria Voce bezog sich in ihren Ausführungen auf die „Fünf Imperative“, die im katholisch-lutherischen Dokument „Vom Konflikt zur Gemeinschaft“ im Hinblick auf das 500. Reformationsjahr formuliert worden sind. „Diese Imperative – so die Fokolar-Präsidentin – betreffen meiner Ansicht nach nicht nur Katholiken und Lutheraner, sondern können von Christen aller Kirchen umgesetzt werden als Antriebskraft für ein starkes ökumenisches Engagement. Wir haben viel miteinander aufgebaut. Jetzt müssen wir unseren Schritt beschleunigen, um die volle, sichtbare Einheit zu erreichen.“ Mit diesen Worten brachte Maria Voce die Vitalität und die Stoßkraft dieses gemeinsamen Weges, der mit neuem Schwung fortgesetzt wird, zum Ausdruck.

Auch die Ermutigung von Papst Franziskus fehlte nicht. Bei der Generalaudienz am 10. Mai rief er dazu auf, „den gemeinsamen Weg der Einheit, des Dialogs und der Freundschaft unter Religionen und Völkern fortzusetzen.“

Schweizer auf Besuch bei ökumenischen Gemeinschaften

Die Gruppe aus der Schweiz machte sich bereits drei Tage vor Kongressbeginn auf den Weg und machte Halt bei Gemeinschaften, in welchen die Ökumene gelebt wird. In Bose/Aostatal fand eine Begegnung mit einer jungen monastischen Gemeinschaft statt, die seit ihrer Entstehung in den 70er Jahren der Ökumene verpflichtet ist. Die zweite Etappe führte nach Loppiano/Florenz zur internationalen Siedlung der Fokolar-Bewegung. Die ganz unterschiedlichen Lebensstile – in Bose ausgerichtet auf Gebet und Bibelstudium, in Loppiano auf das Leben des Evangeliums im Alltag - zeigten, wie bunt und unterschiedlich sich christliches Leben gestalten kann. „Für mich war die Reise im Bus bereits eine Gemeinschaftserfahrung und die beste Vorbereitung für das Eintauchen in die 700 Kongressteilnehmer in Castelgandolfo“, meinte eine neue Teilnehmerin. „Wir haben unter uns bereits erprobt, gemeinsam auf dem Weg zu sein.“