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18/09/2017 17:55 |
Miteinander auf dem Weg in Flüeli-Ranft

Von: LUANA NAVA



Gott und den Menschen nahe

260 Personen verschiedener Konfessionen erlebten Bruder Klaus als Brücke zwischen den Kirchen. Sie trafen sich am 9. September in der Mehrzweckhalle Flüelimatte unter dem Titel „500 Jahre Reformation und 600 Jahre Niklaus von Flüe – was haben diese Gedenkjahre uns heute zu sagen?“

Schon am Morgen war das Postauto, welches sich Richtung Flüeli, Dorf hochschlängelte, randvoll. Die Teilnehmenden aus fast 30 verschiedenen christlichen Bewegungen und Kommunitäten reisten von der ganzen Schweiz an - mit dem Interesse, mehr über Niklaus von Flüe zu erfahren und als Christen über die Konfessionsgrenzen hinweg gemeinsam auf dem Weg zu sein. Anwesend waren unter anderem Vertreter der Fokolar-Bewegung, der Schönstattbewegung und dem Landeskirchenforum. Bereits beim Ankommen wurde eifrig diskutiert und bei Kaffee und Gipfeli geplaudert, bevor das Programm losging. Die Tagung war mit Theater und Chorbeiträgen, sowie auch persönlichen Austauschgruppen abwechslungsreich gestaltet.

Miteinander auf dem Weg

«Wir sind überzeugt, dass Bruder Klaus Impulse geben kann, um Spannungen aufzuheben. Deshalb wollen wir hören, was er uns zu sagen hat für unser Miteinander im hier und jetzt», auf diese Weise begrüsste Matthias Bühlmann aus der Vineyardgemeinde Bern die Teilnehmenden zur Tagung. Der Tag wurde von der schweizerischen Spurgruppe Miteinander unterwegs, die dem Netzwerk «Miteinander für Europa» angehört, organisiert. Diesem ökumenischen Netzwerk gehören über 300 christliche Gruppierungen und Kommunitäten an. Bruder Klaus als Brücke zwischen den Kirchen – dies wurde unter anderem deutlich in den persönlichen Austauschgruppen, wo die Teilnehmenden angeregt wurden, über ihre eigenen Grenzen nachzudenken: Was hindert mich daran, auf Menschen anderer Konfessionen zuzugehen?

Der Einsiedler, so der reformierte Pfarrer Peter Dettwiler, stehe keineswegs für die Geringschätzung von Familie, Beruf und gesellschaftlichem Wirken. Vielmehr verkörpert er, was Jesus sagte: «Wer sein Leben verliert, wird es finden.» Der Landmann und Familienvater gab alles auf, um im Ranft Gott zu suchen. Im radikalen Loslassen ist Bruder Klaus Vorbild, sagte Dettwiler (Fokolar-Bewegung): «eine prophetische Gestalt auch und gerade für unsere Zeit».

Die Zeiten des Ringens

Alicia Furer, Historikerin und Jugendliche der Jahu-Gemeinschaft setzte den Fokus auf die «Zeiten des Ringens» und meint dabei bei Bruder Klaus die zwei Jahre, in welchen er hin- und hergerissen zwischen Familie und Einsiedlerleben, bis er spürte, welcher Weg der richtige sei. «Wir Jugendliche sind uns nicht mehr gewohnt, uns der Unruhe auszusetzen und die Zeiten des Ringens zu ertragen. Genau diese Zeiten sind es jedoch, in denen die grössten Prozesse stattfinden in uns.», so Alicia Furer. Bruder Klaus war ständig auf der Suche und genau dies fasziniert.

Mehr Ranft!

Die Bedeutung von Niklaus von Flüe ging jedoch über die christlichen Grenzen hinaus. Bruder-Klaus-Experte Roland Gröbli erklärte den Titel des Jubiläumsjahres «Mehr Ranft»: «Einerseits wollen wir einladen zu mehr Rückzug, mehr Gebet, mehr Stille. Dieser grundlegende Wert der Stille richtet sich jedoch an alle, auch an Menschen ausserhalb der Kirchen.» Flüeli Ranft als Ort des «In-sich-gehen» und des «Sich-zurückziehens» soll also als Impuls für alle Menschen sein, genauso wie die Figur des Bruder Klaus. Diese fasziniert gerade eben, weil sie etliche Facetten birgt: Klaus der Mystiker, der Mittler, der Bauer, Politiker, Ehemann, Vater, Wegweiser. Einfach gesagt: Klaus der Mensch. Geri Keller, dessen Buch über Niklaus von Flüe «Der Name Jesus sei euer Gruss» vor Kurzem erschienen ist, meinte dazu: «Am meisten begeistert mich an Bruder Klaus, dass er durch und durch Mensch ist. Mit staubigem Haar, mit Dreck unter den Fingernägeln und ohne Thermounterwäsche.» Bruder Klaus ist den Menschen nahe – und ist Gott nahe. Dieses Lebensbild nahmen die Teilnehmenden mit nach Hause.

Dokumentation der Tagung unter: www.miteinander-wie-sonst.ch