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10/04/2017 12:19 |
7 Schritte zur Vergebung

Von: BEATRIX LEDERGERBER-BAUMER



Spirituelle Ressourcen und Psychotherapie

„Vergebung“ – ein theologischer Begriff, der bis vor kurzem in der Psychotherapie nicht existierte. Reginamaria Eder, Ärztin und Psychotherapeutin, stellte am 31. März im Zentrum Eckstein einen Kurs vor, der beides verbindet und Menschen im Vergebungsprozess begleitet.

„Versöhnung braucht immer zwei: das Opfer muss den Vergebungsprozess durchlaufen, aber der Täter muss auch den Schuldanerkennungsprozess durchlaufen und Schuldkompetenz erwerben“. Reginamaria Eder, die in Afrika tätige Ärztin und engagierte Psychotherapeutin aus Süddeutschland spricht engagiert im Rahmen der Reihe „Dialog.bewegt“ in Baar. „Heute geht es nicht um Versöhnung, sondern um Vergebung“, präzisiert sie. Denn zur Vergebung braucht es den Täter nicht. „Das ist ein innerseelischer Vorgang“. Aber eine Kopfentscheidung genügt nicht. Es ist ein langer, schmerzhafter Weg. Dieser Weg muss begleitet werden, wurde aber bis anhin von der Psychotherapie vernachlässigt.

Als Assistentin von Dr. Konrad Stauss, Arzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychosomatische Medizin, lernte Reginamaria Eder den von ihm entwickelten „7-Schritte-Kurs zur Vergebung“ in Selbsterfahrung und bildet nun in der Pastoral tätige Menschen, Seelsorgende und Psychotherapeuten aus, um Vergebungsprozesse fachlich und christlich zu begleiten.

„Vergebungsarbeit ist Heilung von Verletzungen in der Beziehung zu sich selber, zum andern, und letztlich auch zu Gott – den wir in der Therapie „das Ewige Du“ nennen“, erklärt Reginamaria Eder. Anerkennung der Verletzung, angeleiteter Perspektivenwechsel auf die Täterseite (ohne dass dieser als Person anwesend sein muss), und Entwicklung hin zur Vergebungsbereitschaft – in klar definierten Schritten, in kleinen geschützten Gruppen, die aber eine grosse Kraft entwickeln können: das sind Elemente dieses Prozesses. Dieser geleitet die Menschen zum Loslassen der inneren Fesseln, durch die Verletzte an ihre Täter gebunden sind – bis sie vergeben können und damit wieder „Käpt’n ihrer Seele“ werden, wie es William Ernest Henley in seinem Gedicht „Invictus“ ausdrückt, das Reginamaria Eder zum Schluss zitierte.