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22/03/2017 10:44 |
Kardinal Vlk ist tot



Vom Fensterputzer zum Erzbischof von Prag

18 Jahre lang moderierte der Kardinal das Netz der rund 1000 Bischöfe, die sich an der Spiritualität der Einheit orientieren. Er verstarb am 18. März in Prag. Die Fokolar-Bewegung ist dankbar für sein Leben.

Als Kind wollte er Pilot werden, doch auch das Priestertum zog ihn bereits im Alter von 11 Jahren an. Miloslav Vlk wurde am 17. Mai 1932 in Líšnice (Böhmen) geboren. Von 1952 bis 1953 arbeitete er in einer Fabrik und absolvierte den Militärdienst. Danach gewährte ihm der Staat den Besuch einer Hochschule. So studierte er Archivwissenschaften und wurde schließlich Direktor des Bezirks- und Staatsarchivs in Budweis. 1964 nahm er nach Beratungen mit seinem Bischof das Theologiestudium in Litomerice auf und wurde im Juni 1968 zum Priester geweiht.

In der Zwischenzeit hatte er Anfang der 60er Jahre auf einer Reise in die damalige DDR einige Laien und Priester in Erfurt kennengelernt, die nach der Spiritualität der Fokolar-Bewegung lebten. Er war tief beeindruckt von der Gegenwart des Auferstandenen in jener Gruppe, die Jesus denen versprochen hat, die „in seinem Namen zusammen“ sind (vgl. Mt 18,20). Diese Erfahrung der Gemeinschaft begleitete ihn von nun an sein ganzes Leben.

Verbot für Ausübung des Priesteramts

Sein pastorales Wirken in Budweis brachte den kommunistischen Staatsapparat gegen Vlk auf, darum wurde er 1971 in den Böhmerwald versetzt. Sieben Jahre später wird ihm wegen seines großen Einflusses auf die Jugend die Erlaubnis zur Ausübung seines Priesteramtes entzogen. „Ich habe die Lizenz verloren und kann nicht mehr die Messe feiern – erklärte er damals seiner Pfarrei -. Ich habe über das Kreuz gepredigt und mir vorgenommen, nicht nur darüber zu sprechen, sondern es auch zu tragen. Jetzt ist für mich der Moment gekommen, das Kreuz auf mich zu nehmen.“

Er verdiente seinen Lebensunterhalt durch Gelegenheitsarbeiten und arbeitete unter anderem als Fensterputzer. Später sprach er oft davon: „Ich konnte weder predigen, noch öffentlich die Sakramente spenden, aber im Schauen auf das Kreuz habe ich verstanden, dass Jesus, mein Hoherpriester, am Kreuz kaum sprechen konnte, und seine Hände angenagelt waren. Mir war klar: „Jetzt bin ich meinem Hohenpriester ganz nahe“, und ich habe Jesus in seiner Verlassenheit umarmt. Die Spiritualität der Fokolare hat mich in diese Richtung geführt. Ich habe die Kraft verstanden, von der Jesaia im 53. Kapitel spricht: „Ein Mann des Schmerzes“…Ich habe lange Zeit in diesem Licht gelebt: alles, was hässlich ist, kann meiner Erbauung dienen. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass diese zehn Jahre als Fensterputzer die gesegnetsten Jahre meines Lebens waren.“ 1981 wurde in Prag ein Fokolar eröffnet und nachdem er offiziell wieder in den Laienstand versetzt worden war, nahm Chiara Lubich seine Bitte an, im Fokolar von Prag leben zu dürfen. Der Kardinal betonte wiederholt: „Ich halte es für ein Wunder, dass Gott die Spiritualität der Einheit in der sozialistischen Welt verbreitet hat, wo alles überwacht wurde. Er kannte die ‚Schlupflöcher‘.“

Mit der „Samtenen Revolution“ 1989 wurde ihm die Ausübung seines Priesteramtes wieder erlaubt. 1990 wurde er zum Bischof von Budweis ernannt und ein Jahr später zum Erzbischof von Prag. Von 1992 bis 2000 war er Vorsitzender der Tschechischen Bischofskonferenz und von 1993 bis 2001 Vorsitzender des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen. Am 26. November 1994 wurde er von Papst Johannes Paul II. zum Kardinal ernannt.

Nach dem Tod von Bischof Klaus Hemmerle im Januar 1994, der zusammen mit Chiara Lubich den Zweig der Bischöfe innerhalb der Fokolar-Bewegung gegründet hat, lädt die Gründerin den Erzbischof von Prag ein, den Vorsitz unter diesen Bischöfen zu führen. Er nimmt damit die Stelle von Bischof Hemmerle ein, der bekannt war als großer Theologe und herausragender Charismatiker. Kardinal Vlk schreckt etwas vor dieser Aufgabe zurück, doch Chiara versichert ihm: „Machen Sie sich keine Sorgen, Sie werden nicht allein sein, sondern mit den Bischöfen gemeinsam weitergehen.“

Kardinal Vlk erfüllt 18 Jahre lang diese Aufgabe. Er hat zahlreiche internationale Bischofsbegegnungen veranstaltet, darunter auch viele ökumenische, in Castel Gandolfo (Rom), Istanbul, Jerusalem, Beirut, Ottmaring bei Augsburg, Wittenberg, London, Genf.

Die Teilnahme der Bischöfe an der Fokolar-Bewegung ist rein spiritueller Natur, sie hat nichts zu tun mit ihren bischöflichen Pflichten, wie sie von der Kirche festgelegt sind. Sie erkennen an, dass die Spiritualität der Einheit „in tiefer Übereinstimmung mit dem Bischofsamt die effektive und affektive Kollegialität und Einheit mit dem Papst und den Bischöfen stärkt und schließlich dazu führt, die Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils über die Kirche als Gemeinschaft durchzuführen“. So heißt es in den Richtlinien des Zweiges der „Bischöfe – Freunde des Werkes Mariens“, die von Johannes Paul II. und dem Päpstlichen Rat für die Laien am 14. Februar 1998 anerkannt wurden. Auch Verantwortliche anderer christlicher Kirchen schätzen diese Initiative.