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Muslime und Christen im Gespräch

 

Ein friedliches Zusammenleben ist möglich

Über 130 Christen und Muslime trafen sich am 4. Februar im Zentrum «Eckstein» in Baar (ZG). Ihre Überzeugung: in der Begegnung mit den Anderen wächst jeder tiefer in seinem eigenen Glauben. Daraus kann ein fruchtbares Zusammenleben entstehen.

«So glauben wir, so leben wir» – unter diesem Titel kamen Muslime und Christen aus allen Teilen der Schweiz und auch aus dem Ausland am 4. Februar im Begegnungs- und Bildungszentrum Eckstein in Baar (ZG) zusammen. Diese von der Fokolar-Bewegung organisierte Tagung wollte eine Plattform für einen tiefen und offenen Austausch und ein besseres Kennenlernen zwischen Teilnehmenden anbieten.

«Für mich ist der Dialog oft das Werk von Theologen, die sich um den Besitz der Wahrheit streiten», stellte Farouk Mesli, ein muslimischer Professor aus Algerien, fest, bevor er ergänzte: «Wir hingegen sind erfüllt vom Wunsch, trotz unserer Unterschiedlichkeiten gemeinsam unterwegs zu sein.» Diese Bemerkung fasst die Stimmung dieses Tages zusammen, an dem der «Dialog des Lebens» im Zentrum stand.

Den Glauben konkret leben

Durch eine Reihe von Erfahrungen, unterbrochen von Musik und Gebetszeiten, erklärten Muslime und Christen – Studenten, Professoren, Eltern, religiöse Verantwortungsträger – wie sie ihren Glauben im Alltag leben. Die Beispiele zeigten ganz konkrete Auswirkungen der von beiden Religionen gelehrten Nächstenliebe.

Ein roter Faden verband alle Beiträge: die offene, liebevolle Begegnung mit Anhängern anderer Religionen ist eine Anregung, den eigenen Glauben zu vertiefen. Wenn der Andere völlig respektiert und geschätzt wird, in seinem Anders-sein, dann kann eine echte Beziehung entstehen, die auf Gemeinsamkeiten aufgebaut ist, aber auch durch die Unterschiedlichkeiten bereichert wird.

«Wir sind alle gleich Menschen, auch wenn wir einen anderen Glauben haben, auch wenn wir anders sind», erinnerte Hasan Övmek, Imam der Fatih Moschee in Baar und Mitglied der Vorbereitungskommission dieser Tagung.

Liebe und Licht, nicht Terror und Furcht: ein neuer Weg

«Wir lebten inmitten des Terrorismus,» erzählten Schéhérazad und Farouk Mesli. Das muslimische Ehepaar sprach nicht über den Krieg im Irak oder Syrien, sondern von ihrem eigenen Leben am Ende des 20. Jahrhunderts in ihrem Heimatland, Algerien. Sie erklärten weiter, wie für sie die Antwort aus ihrem Glauben kam: «Die Leute hatten Angst, wir nicht. Die Liebe Gottes besiegt alles: diese Wahrnehmung, dieses Licht, gab uns eine innere Ruhe, und das versuchten wir allen weiterzugeben.»

Die Dringlichkeit, auch in den heutigen schweizerischen und europäischen Gesellschaften diese Liebe und diese Art des Dialogs weiterzugeben, war für alle offensichtlich und kam in den Beiträgen von jugendlichen Muslimen aus Basel und Baar ganz deutlich hervor, mit dem Aufruf, diese Erfahrung des Zusammenlebens nicht auf diese Tagung zu beschränken, sondern sie in den eigenen Alltag mit zu nehmen und dort zu verwirklichen.

Gwenaelle Delalande, Vertreterin des internationalen Zentrums für interreligiösen Dialog der Fokolar-Bewegung in Rom, erinnerte am Ende: «Wenn wir im Wort Gottes verankert sind, sind wir fähig, dem Nächsten in Liebe zu begegnen.» Um diese Erfahrung noch weiter zu vertiefen, wird im April in Rom ein Kongress unter dem Titel «Gemeinsam Hoffnung geben» mit muslimischen und christlichen Vertretern aus der ganzen Welt, inklusive der Schweiz, durchgeführt. In einer Zeit, in der Religion mehr mit Gewalt und Marginalisierung als mit friedlichem Zusammenleben verbunden wird, möchte dieser Kongress neue Hoffnungszeichen setzen.

Hélène Rey